Die Ernte 2021


Wie fiel sie aus, die Ernte 2021?

Der Ertrag, die Reifegrade, die Versorgung der Trauben und Moste mit Mineral-und Aromastoffen, die Balance zwischen Zuckergehalt der Beeren und Weinsäure, diese Charakteristika sowie der Gesamteindruck des späteren Weines entwickeln sich im Lauf der gesamten Vegetationsperiode. Jedes Jahr ist anders, jeder Jahrgang  erhält seine eigene Prägung durch das Zusammenwirken von Witterung, Sonne, Bodenfeuchtigkeit, Wind, den Bodenverhältnissen und Aktivitäten unzähliger Bodenorganismen, aber auch durch das Auftreten von Organismen, die der Rebe und den Trauben Schaden zufügen.

2021 war, was die Witterung angeht, ein eher unstetes Jahr. Stabile Wetterlagen bildeten sich fast nie. Der Lebenszyklus der Rebe (Austreiben der Knospen, Blüte, Reifebeginn der Trauben) lagen zeitlich später als in den letzten Jahren. Die überdurchschnittlichen Niederschläge von Mitte Juni bis Mitte Juli machten mir einige Sorgen, da durch den Befall durch Mehltaupilze die Erträge je nach Lage und Rebsorte dezimiert wurden (zwischen 5 % und 50%). Auf der anderen Seite bewirkte die gute Bodenfeuchte über den ganzen Sommer hinweg eine gute Mineralstoffversorgung der Reben und der Trauben.

Am Ende erntete ich vom Ertrag her einen durchschnittlichen Jahrgang (10% weniger als 2020). Die Zuckergehalte der Trauben waren nicht so hoch wie in den letzten beiden Jahren, aber auf einem ordentlichen Niveau. Die weitgehend ruhige, trockene Witterung in der Erntezeit in Kombination mit den kühlen Nächten erlaubte es mir, die Reifezeit zu verlängern und spät zu ernten, ohne Gefahr zu laufen, dass die Gesundheit der Trauben darunter leiden würde.

Im Keller duftet es fruchtig: die gärenden Moste präsentieren sich aromatisch und reintönig, mit frischer Weinsäure. Eine gute Mineralität dürfte in diesem Jahr gegeben sein.

Ein toller Rotweinjahrgang war 2021 nicht, ABER: da ich nur ein Drittel meiner Ernte selbst fülle und noch reichlich hervorragenden Rotwein (Portugieser, Regent, Frühburgunder) aus 2020 im Keller lagern habe, gibt es hier keine Sorgen und Probleme.

Für Weiß-und Roséweine sind "cool climate"-Verhältnisse (d.h. eine kühlere Witterung zur Reifezeit, vor allem kühle Nächte) durchaus vorteilhaft: eine langsame Reifung bewirkt mehr Aromatik und Frische der Weine. Lassen Sie sich überraschen, wenn die ersten Weine des neuen Jahrgangs im Frühjahr 2022 gefüllt werden!